Spielstrasse

Aktuelle Studie: Freiräume und Spielverhalten

Wie lange spielen Kinder in der Schweiz überhaupt draussen? Wovon hängt es ab, ob und wie lange sie Zeit im Freien verbringen? Können sie ihre Freunde selbständig besuchen? Und gibt es Unterschiede zwischen den Sprachregionen, Stadt-Land oder den verschiedenen Bildungsschichten? Zu den Spielmöglichkeiten von Kindern in unserem Land fehlen grundlegende Informationen.

Daher gab Pro Juventute anfangs 2016 die Studie „Freiraume für Kinder in der Schweiz“ in Auftrag. Diese wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Baldo Blinkert und Prof. Dr. Peter Höfflin durchgeführt auf Basis einer Internetbefragung von 649 Familien durch GFK Switzerland AG.

Wichtige Erkenntnisse aus dieser Studie sind:

  • Die wichtigste Bedingung für freies Spielen, für die Zeit, die Kinder draussen ohne Aufsicht verbringen, ist die Aktionsraumqualität – diese hängt in hohem Masse von den Bedingungen im Wohnumfeld der Familie ab. Die Einschätzungen der Eltern sind von grosser Bedeutung für die Spielmöglichkeiten der Kinder. Je positiver die Eltern das Wohnumfeld einschätzen, desto länger spielen Kinder draussen ohne Aufsicht.
  • Indikatoren für ein gutes, kinderfreundliches Wohnumfeld (Aktionsraumqualität)
    • Gefahrlosigkeit – in dem Sinne, dass Kinder im Prinzip in der Lage sind, Gefahren zu erkennen und damit umzugehen.
    • Zugänglichkeit – in dem Sinne, dass geeignete Spielorte erreichbar sind, in nicht zu grosser Entfernung, nicht abgeschnitten durch unüberwindbare Barrieren oder unzugänglich aufgrund von Verboten
    • Gestaltbarkeit – in dem Sinne, dass Kinder ein solches Territorium gerne nutzen, dass sie damit etwas anfangen können und sich nicht langweilen; dass es einen hohen Gebrauchswert hat
    • Interaktionschancen – in dem Sinne, dass Kinder die Gelegenheit haben, mit anderen Kindern etwas zu unternehmen
  • Im Durchschnitt spielt ein Kind in der Schweiz noch 47 Minuten pro Tag draussen, davon 29 Minuten selbständig und ohne Aufsicht. Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen der deutschsprachigen und der französischsprachigen Schweiz. In den deutsch-sprachigen Gebieten spielen Kinder im Durchschnitt 32 Minuten ohne Aufsicht draussen, im französisch-sprachigen Bereich dagegen nur rund 20 Minuten.

Pro Juventute fordert daher Qualitätsstandards für kindgerechte Freiräume, eine Institutionelle Verankerung der Bedürfnisse von Kindern und deren Partizipation in Planungsprozessen.