Platz zum Toben

Freiräume für das Spiel – gestern und heute

Die Inspiration zu neuen Entdeckungen, das Bestehen von Herausforderungen und das Eingehen von Risiken, bilden den Kern des Spielens und Lernens. Attraktive Freiräume fordern Kinder heraus, ihre Welten zu erfinden und sich dem Spielen hinzugeben. Hier ist freies Spiel unbeaufsichtigt möglich, sie können sich den Raum aneignen und lernen Gefahren einzuschätzen.

Mit der Verdichtung von Siedlungen, der zunehmenden Einschränkung des Zugangs zu öffentlichen Räumen (wie z.B. von Pausenplätzen ausserhalb der Schulzeit) und dem erhöhten Verkehrsaufkommen gehen vielerorts Freiräume für Kinder verloren. Das sind insbesondere Brachen, leerstehende Parzellen, grössere Gärten und verkehrsarme Strassen. Es gilt mit stadtplanerischen Mitteln, durch Sensibilisierung von Eltern, Hausverwaltungen, politisch aktiven Personen sowie Mitarbeitenden der öffentlichen Hand bestehende Freiräume für Kinder zu erhalten und diese zugänglich und attraktiv zu machen sowie neue Räume zu schaffen.

Die Lebens- und Entwicklungsbedingungen für Kinder haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Die starke Zunahme des Strassenverkehrs, die Verdichtung der städtischen Ballungsgebiete und die Abnahme der Kinderzahlen haben dazu geführt, dass Kinder heute in einer anderen Lebensumwelt aufwachsen als noch vor 30 Jahren. Ein wichtiger Teil dieser veränderten Lebensbedingungen betrifft die Möglichkeiten für Kinder, sich in ihrem Wohnumfeld selbständig und unbeaufsichtigt zu bewegen, zu spielen oder andere Kinder zu treffen.

Freiräume sind Lern- und Bewegungsräume

In unbetreuten Freiräumen können Kinder Eigenständigkeit und einen Umgang mit Konflikten lernen. Auch üben sie dort das Einschätzen von Gefahren und des eigenen Könnens. Demgegenüber steht die Tendenz, dass Kinder immer mehr Zeit mit angeleiteten Aktivitäten verbringen und sie weniger allein Wege zurücklegen und auf Quartierplätzen spielen. Damit Eltern ihren Kindern trotz steigendem Sicherheitsbedürfnis unbeaufsichtigte Spielzeiten ermöglichen, braucht es Sensibilisierung und Freiräume, die gut zugänglich, sicher und attraktiv sind.

Körperliche Betätigung und die Möglichkeit zu gestalten sind wichtig für Kinder. Wenn sich Kinder zu wenig bewegen können oder alles vorgegeben ist, entwickeln sie Defizite wie Übergewicht, kognitive Einschränkungen und psychische Störungen. Spiel und Bewegung draussen in naturnaher Umgebung können solchen Defiziten vorbeugen und fördern die physische und psychische Gesundheit. Attraktive und naturnahe Freiräume inspirieren zum vielfältigen Spiel und wirken einem exzessiven Medienkonsum entgegen, insbesondere bei älteren Schulkindern. Deshalb ist die Einbettung solcher Spiel- und Erfahrungsräume ins unmittelbare Wohnumfeld von Kindern unabdingbar. Dies konnte die Studie «Raum für Kinderspiel!» nachweisen.

Recht auf Spiel

Freiraum für Kinder ist nicht bloss eine gutgemeinte kinderfreundliche Idee. Laut Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention (KRK) anerkennen die Vertragsstaaten (zu denen auch die Schweiz gehört) das Recht des Kindes auf Spiel und altersgemässe aktive Erholung und fördern die Bereitstellung geeigneter Möglichkeiten für aktive Erholung und Freizeitbeschäftigung. Raum für freies Spiel ist für eine gesunde körperliche, psychische und soziale Entwicklung von Kindern zwingend notwendig.